August 1 2010

Wäscheklammer

Ich fühle mich dazu bestimmt, seidene Bettwäsche zu halten. Schon in der Fabrik sagte man mir, dass dies wohl nicht passieren würde. Heute war alles sehr viel anders als früher. Aber ich frage mich, wieso die Menschheit so etwas Edles wie mich kaufen kann, wenn es nichts Edles zu halten gibt. Ausrangierte Kollegen sagten, dass auch sie schon solche glorreichen Träume gehabt hatten. Die Realität ist aber bei weitem nicht halb so rosig. Wer schon seidene Wäsche besitzt, lässt diese in Reinigungen säubern, wo man ganz auf uns verzichten kann. Und überhaupt hat der moderne Haushalt sich schon längst auf Plastik, igittigitt, eingestellt. Im besten Falle könnte es geschehen, dass irgend welche, wenigstens angehauchte, Ökos mich kaufen. Dann könnte ich immerhin für baumwollene Wäsche oder Schafswoll-Unterhosen verwendet werden. Etwas, was zumindest auch in unserer Tradition liegt.
Wenn’s arg kommt, und das wünscht sich keiner von uns, kommen wir in eine Ramschkiste und werden von irgendwelchen neu-armen Prollis gekauft. Eine Möglichkeit, die mich schaudern lässt. Buntbedruckte Perlonwäsche, Erdoel-Unterhosen. Ich sage da nur, Plastik zu Plastik. Die pflegen einen ja nicht mal, diese Banausen. Lassen uns vielleicht sogar noch feucht hängen wie die rot-blau-grünen immerbeständigen Ekelkollegen. Bei Wind und bei Wetter. Diese – ich schäme mich fast überhaupt zur selben Art zu gehören – diese Kollegen verrotten ja nicht mal, wenn man es will. Dauermüll, sage ich nur. Ob im Gebrauch oder auf der Halde, Dauermüll.
Das Schlimmste überhaupt ist die Bastelstube. Als Bastelbedarf verkauft zu werden. Das muss man sich vorstellen. Man wird in zwei Teile gerissen. Mit roher Gewalt. Und unsere Seele, unsere Kraft, unser Mittelpunkt, die Feder unseres Daseins wird meist einfach weggeworfen. Weggeworfen zum Rosten. Nicht mal unsere Plastikkollegen kommen ohne die se Feder des Klammerlebens aus. Danach werden wir, schlaff, geteilt, haltlos und hilflos irgendwo hingeklebt oder festgekeilt. Brrrrrr!
Nee! Ich bin für seidene Wäsche und feine Dessous geboren. Egal, was man mir erzählt, ich bleibe dabei. Klammere mich, wie es sich für mich geziemt, an dieses Ziel. Basta.

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Veröffentlicht1. August 2010 von rhm52-20 in Kategorie "STORY ((KURZ)GESCHICHTEN))

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