Samstag

Es ist nun schon Samstag. Die Zeit vergeht hier nicht, obwohl wir schon hin und wieder etwas von der Aussenwelt mitbekommen. Alle reden von Lockdown und ärgern sich, das man hier in der Klinik keinen Besucher hinein darf. Der eine braucht Zigaretten und der andere Unterwäsche. Die Busse fahren im Sonntags Takt, und das ist für vielen schon nicht mehr zu bewältigen. Es wird auch nicht von allen verstanden was und wie das hier mit der Pandemie so ab geht, oder wie man sich richtig verhällt.

Ein Beispiel. Eine Frau wartet an der Eingangstür auf Ihre kinder, die wohl etwas bringen sollten.Da tauchen zwei Teenies mit einer Tüte auf und gucken ziemlich bedröppelt aus der Wäsche. Was oder wie machen wir das nun. Der eine schickt dem anderen vor mit einer Handbewegung, so nach dem Motto – mach du doch mal. Der zweite kommt dann auf etwa drei Meter heran, schaut verunsichert und wirf dann seine Tüte im hohen Bogen zu der Frau. Sie kann es gerade noch auffangen und schimpft mit dem Bengel rum. „Warum gib se mir dat nich einfach?“ er „Ich will doch kein Corona!“ Sie „Ich hab doch nix. Du darfst hier nur nich rein.“ Er „Ja du nich, abba alle Anderen.“

Die Aufklärung in der Schule und sonst wo die Jungs ihr Wissen her haben, hat so nicht ganz richtig geklappt, doch sie taten ihr bestes. Dann gingen sie wieder zur Strasse, wo eine ganze Gruppe junger Menschen, etwa 10, sie jollend begrüßten. Die beiden, stolz auf sich und von den anderen mit abklatschen belohnt, zogen dann fröhlich ihre Wege.

Bett Nachbar

Groß, mittel alt, und beredsam. Das brauche ich als Freizeit Eremit überhaupt nicht. Es war alles so schön ruhig bis jetzt. Mein alter Zimmernachbar, der entlassen wurde, war still, schlief viel und hatte auch ansonsten keine Lust zum Reden. Herrlich! Doch jetzt ist hier ein vitaler Mensch der neugierig ist viel zu erzählen hat und mich mit Freundlichkeit überschütten will. Doch…

STOP

Mein Bettnachbar bleibt nicht. Sein Fall fällt in dem Bereich – nicht dringend. Seine Operation kann um Wochen verschoben werden. Man hatte nur vergessen es ihm mitzuteilen.

CORONA CORONA CORONA

Ich hatte am Abend vor meiner Einweisung angerufen, und man sagte mir „Jau! kommense vorbei“ und ich hatte glück. Er hatte am Mittwoch Morgen angerufen, und man sagte ihm „Jau! kommense vorbei“ und am Mittwoch Nachmittag kam der Erlass, das nur dringende Operationen durchgeführt werden. Niemand hatte es ihm gesagt. Auch nicht während der Aufnahmeprozedur. Erst jetzt kommt ein Arzt, nachdem er sich schon im Zimmer eingerichtet hatte und sagte er könnte gleich wieder packen.

Ich bin wieder einsam und alleine und habe meine Ruhe.

Langeweile mit Verkabelung

Ok. Montag war es langweilig, Dienstag habe ich verschlafen. Nun bin ich einseitig repariert worden, und ich muss jezt wieder warten.Es muss alles beobachtet werden um zu sehen ob die Docs ihre Arbeit ricchtig gemacht haben. Für mich bedeutet das wieder Langeweile. So lane ich in der Wartestellung nich tot umfalle oder anders auffalle, ist alles gut. das wird jetzt tagelang so weitergehen, bis die Ärzteschaft mich bedenkenlos gehen lassen können. Die Ärzte und das pflege Personal hat ja viel zu tun mit all der anderen Patienten. Ich nicht. Aber ich bekomme eine ungefähre Vorstellung von der Zeit die ich hier bei der zweiten OP erleben werde in 5 bis 6 Wochen. Falls es überhaupt noch in der Zeit zu solchen OPs kommen sollte, und nicht alle Betten mit Corona Patienten belegt sind. Schon diesmal hatte ich die Befürchtung überhaupt nicht aufgenommen zu werden. Allein in der Zeit ist Bochum dicht gemacht worden. Am Montag hätte ich sogar noch besucht weredn können. Heute schon nicht mehr. Eintritt verboten für alle Besucher, ausser in besonderen Situazionen, die auf mich nicht zutreffe.

So! jetzt bin ich vom Tropf gekommen und ebenso ist mein Abendessen angekommen, und ich werde jezt speisen, und danach mir noch mehr Langeweile gönnen. Vielleicht Fernsehen. Etwas das ich mir in den letzen Jahren mehr oder wenigen abgewöhnt habe, aber hier ist ansonsten , wie schon geschrieben, nix los

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Langeweile

Krankenhäuser sind gut…wenn man krank ist. Mit krank meine ich ohhh ahhh oh nee. Wenn man aber nur Ersatzteile braucht, bzw. eine Reparatur ausführen lässt, sich aber ansonsten eigentlich wie immer fühlt, ist es langweilig. Zu Beginn laufen ja noch Untersuchungen, Befragungen ect., hat man ja noch etwas zu tun. Danach laufen dann nur noch die Abenteuer Frühstück, Mittag und Abendessen. Locker aufgeputscht mit Blutdruck Messungen oder so. Hin und wieder geht man nach draußen oder gar in die Raucher ecke, weil da sich oft die Raucher übers rauchen und andere weltbewegende Ereignisse sprechen. Wird aber auf dauer ziemlich öde und Laangweiiilig.

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Warten auf Bescheide

Corona Virus hin oder her. Viele Mensch stehen im Regen. Was wir als nächstes verboten, geschlossen, eingestellt, etc.? Ich zum Beispiel, wollte am Montag ins Krankenhaus. Nun höre ich in den Nachrichten dass nicht dringende Behandlungen verschoben werden könnten, und das wenn ich überhaupt ein Bett bekomme, mich niemand besuchen darf. Noch habe ich keinen Bescheid was da wirklich abgehen soll. Ich bin gespannt.

DER JOGGER

Noch ist die Sonne nicht aufgegangen. Vögel singen, man hört das Meer rauschen, einzelne Frühaufsteher räuspern sich, die ersten Duschen duschen, irgend jemand lässt sein liebliches Motörchen laufen, das Räuspern wir zum Husten. Ja da hustet sich jemand fast die Lunge aus dem Hals, es werden immer mehr Vögel, Tausende. Bratpfannen brutscheln, Kinder kreischen und und überhaupt ein riesen Krach. Und das noch vor Sonnenaufgang.
Um seinen Gehör zu schonen und vor diesem Krach zu schützen, denn das war ja kaum auszuhalten, setzte er sich seinen Kopfhörer auf und drehte seinen Walkman auf volle pulle. Heisser Rock um vier und ich werde zum Tier. Wow das ging aber aber ab. Er fühlte wie seine Beine sich langsam in den Rhythmus einschwangen. seinen Jogging Anzug hatte er stundenlang nach hinten gebürstet, damit die Aerodynamik stimmte. Das rechte Bein hatte sich schon ein schwingender weise drei mal vom Boden abgehoben. Sein linkes Bein war heute nicht so schwungvoll wie er es gewohnt war. Es hatte sich wahrscheinlich Nachts ein wenig überanstrengt.

Das Schlafen auf einer Luftmatratze hatte es so in sich. Besonders wenn man zu dritt darauf schläft. Jede Bewegung musste sorgfältig geplant werden. Wer achtet aber im Schlaf so groß auf seine Bewegungen. Seine Frau lag in der Mitte. Bei Seinem Gewicht hätte er sie ganz schön rollen lassen können. Irgendwie klappte es aber bei diese Luftmatratze nicht. Sie, leichter wie er, schaffte es in eine stabile Lage zu bleiben während er, der Koloss, durch die Gegend flog. Um seine Frau noch zu unterstützen legte sich sein Sohn immer wieder mit in ihre Schlafkuhle. Gestern Nacht hatte er auf dem Rucken geschlafen, was dazu führte, dass er sich, beim herunter rollen von der Luftmatratze (was er immer noch nicht verstand, schon des Gewichtes wegen. Na ja) mit Seinem linken Bein abstützen musste. Ja. Deshalb war sein linkes Bein heute ein wenig müde.

Doch Waidmanns Heil und Beinbruch, mit diesem Problem wurde er schon irgendwie fertig. Er war von Natur her ein Frohnatur, wenn nur die Menschheit nicht so verdammt schlecht wäre und das Wetter vielleicht ein wenig schöner wäre und überhaupt…

Aber zurück zum Massensport. Er bewegte nun auch seine Massen und kam langsam in Schwung. Wie ein Dampflok setzte er immer schneller werdend ein Bein vor dem anderen und verfiel, schon nach wenigen Schritten in einen zwar flotten, doch angenehmen Trab. Die ersten hundert Meter liebte er Besonders. Er war noch frisch und kräftig und überzeugt von dem was er so sportlich anstellte. Die Nächsten hundert Meter waren da schon ein wenig anstrengender. Sein Puls pochte, er fing an zu transpirieren und kam schon langsam außer Atem. Der dritte Hunderter brach an. Ab da empfand er einen ziemlichen Respekt gegenüber alle vierhundertmeter Läufern.

Es war schon ein Wahnsinn was er trieb, aber alle machten es, und dass auch noch scheinbar gerne. Es hieß doch immer, dass nach eine gewisse weile, nach eine gewisse Anstrengung oder vielmehr Überanstrengung, ein euphorisches Gefühl, das vollkommene Ausflippen vor dem Kollaps, einsetzen wurde. Wusste er nichts von. Er begann zu prusten und zu schielen. Die Welt, zumindest das was er noch davon wahrnahm, drehte sich vor seinen Augen. Sportmedizinisch gesehen machte er vielleicht irgendetwas falsch. Als nicht Fachmann kann das schon mal geschehen. Und überhaupt. Warum machte er es. Niemand hatte es empfohlen, es interessierte niemanden, es schaffte ihn total.
Ach ja. Man hat es halt in der modernen Welt nicht leicht. Die richtige Zahnpasta schmeckte ihm nicht, das richtige Essen war ihm zu teuer und schmeckte ihm nicht, moderne Errungenschaften wie Neuwagen konnte er sich auch nur im Schaufenster betrachten. Die ganze Katalyse-Diskussion war an ihm vorbeigegangen. Es hat ihn höchsten peripher tangiert (Peripher tangiert! Gut!). So was war einfach rein finanziell nicht zu verwirklichen. Es war aber schon zu begrüßen und als Naturfreund und Sportler…

Oh! Darüber hätte er nicht nachdenken sollen. Plötzlich fielen ihm seine Beine ein. Schmerz und Schlaffheit. Die Lunge allmählich leer gepumpt und das Gehirn. Na ja! Das ging ja noch. An seinen eigenen Körper wurde ihm die Trennung zwischen Kopf -und Muskelarbeit bewußt. Sein Kopf sagte, im Zuge der Überwindung des inneren Schweinehundes, lauf man lauf. Seine Beine und Lunge konnten nicht sehr viel denken und taten ihre Aufgabe. Sein Schweinehund aber!

Das war wieder etwas zum nachdenken. Nur so hielt er durch. Die Teamarbeit zwischen seinem Hirn, die Augen und die Beine funktionierte prächtig. Sein Ich durfte nur nicht teilhaben, sonst kamen Zweifel am Tun auf. Schritt für Schritt, Meter um Meter. Eine schier nicht zu bewältigende Qual in jeden Faser des Körpers. Dem Zusammenbruch nahe schrak er wie von eine Tarantel gestochen zusammen, als irgendein Störenfried, ein Ignorant ihm an der Schulter packte. Blitzschnell öffnete er seine Augen und sah sich verträumt um.

„Ich dachte Du wolltest Frühstück einkaufen!“

„Eh. Ach ja. Oh, ja ja.“

Er erhob sich von dem Campingstuhl legte seinen Walkman beiseite und trottete los in Richtung Laden. Es war eine Stecke von gut zweihundert Meter dabei zu bewältigen, und so auf dem Weg fragte er sich ob er voll ein wenig schneller laufen sollte. Er entschied sich aber dagegen. Was würden die anderen Camper davon halten wenn jemand schon am Morgen verschwitzt und außer Puste zum Einkaufen kam. Und überhaupt…ich meine…Wat soll’s?

© 1998 by RHM